Schwarzweiß

Alles war so einfach.
Als Kinder bolzten wir auf einem Rasen, der erst später zu einem Naturgut erklärt werden sollte. Wir rasten mit unseren teuer gekauften Mifa-Rädern die Straßen entlang, da uns ja keine parkenden Autos die Aussicht auf ein langes Leben versperrten. Wir spielten Ball, wo immer wir wollten, spielten Räuber und Gendarm, ohne zu ahnen, auf welcher Seite wir später landen sollten.
In der selben Zeit, ganz in der Nähe, gab es ein Asylantenheim. Nun, man nannte es damals etwas anders, wir schrieben ja das Jahr 1979 und die Asylanten waren Freunde, denen wir all das beibringen konnten, was die befreundeten Neger (so sagte man zu jener Zeit) nicht wissen konnten. Was wir nicht wussten: Sperre niemals Angolaner und Mocambikaner in das selbe Haus. Ergo: Ärger.
Im Haus daneben lebten viele Vietnamesen. Diese erkannte man daran, dass man sie nicht sah, sie hatten sich an die Verhältnisse angepasst. Sie waren ja noch aus dem Krieg mit den USA geübt, sich in Betonröhren zu tarnen, was uns zu schlechten Witzen über ihren gelben Teint hinreißen ließ.
Jetzt, dreißig Jahre später, qualmt noch immer der Rauch des Unverständnisses über die Nachbarn von damals. Die Asylanten von einst tarnen sich jetzt mit guten Deutschkenntnissen und lassen uns mit unseren Vorurteilen alt aussehen.
Der Rasen von damals heißt jetzt Park, der Vietnamese, obwohl er seit vierzig Jahren hier lebt, heißt Immigrant und der schwarze Jugendfreund weiß auch nicht mehr, wie er angesprochen werden darf. Vielleicht so:

„Du: schwarz.“ – „Ich weiß.“

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