Es war nicht alles schlecht (1980)

Man mag es kaum glauben, aber es gab in der DDR doch Dinge, die es gab. Jahreszeiten zum Beispiel. Wir hatten damals vier verschiedene, und die Älteren unter uns können sich vielleicht noch daran erinnern.

Eine dieser Jahreszeiten nannte sich “Frühling” und war ungefähr zwischen einem knackigen Winter und einem schönen, sonnigen Sommer angesiedelt. Ein (mir) unbekannter Verfasser beschrieb das in folgendem kleinen Gedicht.

(Leider konnte dieser dreiste Dissident sich nicht zurückhalten, auch in solch schönen Momente von Fehlendem zu träumen. Aber er sollte ja Recht behalten.)

 

Früh links Erwachen

 

Der Herbst ist da! Nach Liebe lechzen

alle Mädchen über sechzehn.

Die Rehe treten alle aus

dem Wald, und keiner bleibt zu Haus’.

 

Die Bienen kommen alle nieder,

die Gammler waschen sich mal wieder,

der Saft, der steigt bei jungen und bei alten

Bäumen (Komma) der Fortschritt ist nicht aufzuhalten.

 

Wir haben EDV und Müllcontainer, das ist fein.

Wir haben die Pille und der Storch beißt jetzt umsonst ins Bein.

Wir haben sogar Farbfernsehn mit PAL.

Und bald gibt es auch Fliesen und ein kleines bisschen Aal.

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2 Kommentare zu Es war nicht alles schlecht (1980)

  1. stoertebeker sagt:

    Mir geht der Sommer gerade ein klein wenig auf den Senkel. Es ist zu heiss um zu schlafen. Und Schlaf hätte ich bitter nötig!

  2. anzmeer sagt:

    Gammler. Merkwürdiges Wort, lang nicht mehr gelesen/gehört.
    Und es wird Sommer, jetzt. Übermorgen.

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