Heute ist ein schöner Tag

Heute ist ein schöner Tag. Weil wir den 17. Juni haben. Der ist zwar heute nichts Besonderes mehr. Einfach 24 Stunden, die so gelegen sind, dass es exakt noch 13 Tage bis Ultimo sind. Und auch der Abstand zu den Ideen des Junos ist für uns nicht sonderlich interessant. Aber für uns hier ist es trotzdem ein schöner Tag. Weil Spreegeflüster online geht. Ergo ist der 17. Juni 2009 ein schöner Tag. Das mit den Umlautdomains ist zwar noch nicht allen bekannt, aber es funktioniert. Auch wenn noch nicht alle eMail-Programme und so mitspielen. Das wird bestimmt noch. Geht ja alles mit diesem Netz. Sogar Sperren und Stopp-Schilder wie uns #Zensursula  kürzlich lehrte. (Ja, ich weiß, nicht die allein. Da war noch irgendwas mit Umfallern, Sozialdemokraten und Verraten. Oder so. Kann  mich jetzt nicht ganz so genau erinnern. Bin mehr mit Freuen beschäftigt.)

Früher habe ich mich auch immer am 17. Juni sehr gefreut. Das war zu grauer Vorzeit in meinen wilden Studententagen. Der Anlass wiederum war mal ein anderer gewesen. Da gab es immer mitten in einer zumeist herrlichen Jahreszeit einen netten kleinen Feiertag mittenmang der ganzen Studiererei. Den habe ich gerne genutzt, um meiner Georgia-Augusta zu entfleuchen. Oft auch mit einem netten Ausflug nach Hemeln, wo man ob des Wassers so schön die Seele baumeln lassen konnte. Nach Veckershagen im Hessischen habe ich trotz der vorhandenen Gierseilfähre nie gefunden. Zu oft ließ ich mir im Gasthaus das ein oder andere schmecken. Da wollte man nicht noch rüber machen.

Womit wir dann beim Stichwort wären. Rüber machen! Damit, bzw. dem massenartigen Exodus aus der DDR, begann kurz nach meinen ersten Semestern eine Entwicklung, die mir den aus eigentlich traurigen Erfahrungen der deutschen Geschichte entstandenen 17. Juni, so wie ich ihn kannte, ein klein wenig entfremdete. Denn was  historisch folgte, ist hinlänglich bekannt. Und damit war es Aus mit dem Tag der deutschen Einheit. Zumindest mit dem, den ich als Student genossen hatte.

Gut, zugegeben, 1990 verwöhnt man uns  noch mit derer zwei Einheitstagen. Der 3. Oktober kam hinzu. Und bleibt im Zeichen des darwinistischen Überlebenskampfes als einziger übrig!  Und doch, der Zweite trug bei seiner Premiere den wesentlichen Makel schon in sich. Was, oh sollte ich als Student, mit einem Feiertag in den Semesterferien anfangen? Ich hatte da eh frei. Ich musste nicht dem Drängen und Dräuen überfüllter Hörsäle entfliehen. Das Wetter verlud auch kaum ein zu sagen, veweile doch, du bist so schön. Und wo war eigentlich damals der entrüstete Aufschrei der ganzen Studentenschaft? Wo die Massendemonstrationen, die ihren alten 17. Juni wieder haben wollte? Wo waren die, wenn man sie mal brauchte?

Vergangen. Entfleucht Wie meine Jugend.

Wenigstens habe ich heute, an diesem17. Juni, wieder etwas, über das ich mich freuen kann. Auch wenn es noch ein sehr kleines Baby ist, das sich hier bewegt. Doch es wird laufen lernen. Sich einpendeln. Mit Spiel, Spaß, Spannung und die Yougurette. Oder wie immer sich das schreiben tut. Auch ernsthafter wird es demnächst vorbei kommen. Nicht ganz so seicht wie dies hier. Ganz bestimmt.

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